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SPuMallorca - vale en palma

Aktualisiert: 7. Juni 2025


Drei Tage Streetfotografie und mehr im Revier vom "chef de cuisine photographique", jfk!

credit: jens f. kruse (jfk)

Unser spiritus rector, jfk, entführte uns drei Tage in die Untiefen seines Jagdgebietes Palma de Mallorca. Einerseits war es schade, dass außer mir nur noch Andrea seinem Ruf gefolgt ist, andererseits machte das unser Treffen meiner Ansicht nach dafür umso intensiver. Für uns bot sich die spannende Gelegenheit Jens ausführlich "über die Schulter" zu schauen und zu sehen, wie und was er sieht, wenn er "auf der Jagd" ist. Ein nicht zu kleiner Wermutstropfen war es für mich aber schon, dass wir "nur" zu dritt waren. Gerne hätte ich noch weitere SPuMis persönlich kennengelernt, da ich beim ersten Treffen in Wien letztes Jahr leider nicht dabei sein konnte.

Dann schauen wir mal, was es noch Leckeres zu sehen gibt!

An dieser Stelle sollte ich dann aber für die Nicht-Eingeweihten erklären, was SPuM eigentlich ist. Street-Photografie und Mehr bedeutet diese Abkürzung und steht für eine Gruppe von derzeit 14 engagierten fotografie-interessierten Menschen, die von Jens F. Kruse vor zweieinhalb Jahren gegründet wurde und sich auf unterschiedlichsten Ebenen mit dem Thema (Street)-Fotographie, aber auch mit weiteren Aspekten von Kunst beschäftigt. Die Mitglieder der Gruppe sind über ganz Deutschland und auch darüber hinaus verteilt und treffen sich einmal im Monat zu einem Zoom-Treffen und eben auch seit letztem Jahr einmal jährlich live. Zudem finden sehr viele ganz unterschiedliche Aktivitäten statt. So gibt es regelmäßige Foto-Challenges, Fotomarathons, virtuelle Ausstellungen oder ein Buch, das wir gestaltet haben, um nur einige Highlights zu nennen.

Diese Lichtsituation fiel mir in einer ruhigen Gasse auf. Erst beim Bearbeiten und genaueren Betrachten des Bildes fiel mir auf, dass der Schatten aussieht wie ein riesiger Pac-Man, der diese Frau in seinem Maul zu verschlingen scheint. Sogar das „Auge“ des Schatten – Monsters ist zu erkennen.

Und ein weiteres absolutes Highlight war auch dieses Wochenende! Am Donnerstag, dem 29.05 stieg ich also mittags in den Flieger nach "Malle" und wurde netterweise am Flughafen von Jens abgeholt. Wir fuhren dann zu meinem Hotel. Ich traf Jens kurz darauf in einem Cafe ums Eck und wir tranken erstmal gemeinsam ein Bierchen. Dann verabredeten wir uns mit Andrea und begaben uns nach einer kleinen Stärkung auf der lauschigen Terrasse des Museums Es Baluard d’Art Modern i Conteporani auf einen ersten walk durch das Gassengewirr von Palma. Am Ende führte Jens uns noch zu seiner Lieblings-Bushaltestelle. Dort gab er uns wertvolle Tipps, wie man durch die Scheiben der Haltestelle coole Layerings mit verwirrend vielen Ebenen komponieren kann. Mit diesen ersten Eindrücken ließen wir den Abend dann noch in der ältesten Bar Palmas, dem Cristal bei ein paar drinks ausklingen.

Solche stimmungsvollen Lichtsituationen mit langen Schatten finde ich nach wie vor sehr ansprechend. Ich mag es, wie die Sonne an dem Pfeiler vorbei durchblinzelt und auch die Haltung des Mannes sowie den Lichtkranz um seinen Kopf. Das zentrale Element in diesem Foto ist allerdings sein lang gezogener Schatten auf dem golden glänzenden Pflaster.

Am nächsten Morgen trafen wir uns mit Jens dort wieder auf einen cafe con lecce. Während unseres Gesprächs fiel mir ein älterer sehr stilvoll gekleideter Mann am Nebentisch auf, der direkt vor einem großen Fenster der Bar saß. Diese Szene fanden wir sehr spannend und so schossen wir ein paar heimliche Fotos von ihm. Danach starteten wir in einen für mich denkwürdigen Tag. Im Gewirr der Altstadt waren wir bis zum späten Mittag unterwegs und ich schoss mich in einen wahren Rausch. In diesen knapp vier Stunden drückte ich über 300 mal den Auslöser. Selten war ich so im flow, sah ich so viele Motive, Lichtsituation und interessante Menschen. Da hatte jfk natürlich einen großen Anteil. Denn er führte uns immer zum richtigen Zeitpunkt zu einigen seiner Lieblings-Spots. Er wusste zum Beispiel ganz genau wo und wann in der Stadt das richtige Licht oder die meisten Menschen unterwegs waren. Dieses Insider-Wissen hat nur der, der jahrelang in „seiner“ Stadt mit offenen Augen durch die Straßen streift.

Hier sehen wir den alten Mann, den ich oben schon erwähnt hatte. Schön fand ich einerseits die Kommunikation zwischen ihm und der jungen Bedienung, aber auch die Spiegelungen im Hintergrund. Andreas Hut im Vordergrund gibt dem Bild noch eine weitere Tiefe.
Dieses Bild gefällt mir, da es einerseits durch das Lichtdreieck sehr grafisch wirkt , andererseits aber den Säulen-Durchgang durch die auf verschiedenen Ebenen und Ecken angeordneten Menschen sehr räumlich erscheinen lässt.

Nach diesem fantastischen walk führte jfk uns ins Cafe Es Pes de Sa Palla, einem angesagten Restaurant, das nicht nur durch seine hervorragende Küche, sondern auch durch seine Mitarbeiter heraussticht. Denn nicht wenige von ihnen sind auf die eine oder andere Art benachteiligt. Die Gazpacho schmeckte übrigens hervorragend.


In diesem Foto scheint es, als ob die Frau vor dem Schaufenster den Schatten im Inneren betrachten würde. Dieser Schatten bin jedoch ich, der die Szene von der anderen Straßenseite aus fotografiert.
Ja, Fotos mit auf Handys schauenden Menschen sind schon etwas ausgelutscht. Hier scheint es aber so, als ob das Graffiti der jungen Frau über die Schulter schaut. Die zwei roten Streifen links und das rote Kleid der Lady rahmen den alten Mann dazu noch ein und die Fassaden im Hintergrund verleihen dem Foto zudem zusätzliche Tiefe.

Gegen späten Nachmittag ließen wir es dann etwas ruhiger angehen, wir verließen die trubeligen Ecken und streunten durch einige weniger frequentierte Gassen, die aber ihren eigenen ruhigen Charme und viele spannende Lichtsituationen boten. Gegen Ende dieses fantastischen Tages besuchten wir dann noch eine Galerie, in der einige von Jens Bildern ausgestellt sind. Ausklingen ließen wir den Tag in einer Croquetteria, in der es die typischen mallorquinischen gefüllten Kroketten gab. Wir verabschiedeten uns von jfk und Andrea und ich spazierten wie jeden Abend durch die Gassen zurück zu unseren Hotels, unterbrochen noch von einem kleinen Absacker in einer schönen Bar auf einem entzückenden Platz.

Hier fotografierte ich durch die Scheibe in ein leer stehendes dunkles Ladengeschäft. Hinter mir auf der anderen Straßenseite sieht man eine Frau als Schatten in der Scheibe reflektiert, wie sie vor einer Fassade entlang läuft. Es scheint, als ob das Männchen, das auf die Scheibe gemalt wurde, die Frau beobachtet.

Den Samstag eröffneten wir traditionell im cristal. Nach dem aufreibenden Vortag besuchten wir zuerst die große Markthalle Palmas mit ihrem beeindruckendem Fischmarkt. Nach einem kurzen Abstecher bei der Druckerei seines Vertrauens führte uns Jens in einige ruhigere Viertel zur kleinen Markthalle. Dort hatten wir dann wieder mal ein kulinarisches Highlight! Einer der Stände dort bietet einen ganz speziellen Service. Hier kann man nämlich in der Markthalle die Zutaten für den Lunch frisch einkaufen und dort professionell zubereiten lassen! Natürlich machte sich Jens für uns auf den Weg. Denn wenn man schon mal das Glück hat, nicht nur einen hervorragenden Fotografen, sondern einen ehemaligen Sterne – Koch an seiner Seite zu haben, sollte man seiner Expertise wohl die Auswahl überlassen! Und so ließen wir uns unsere Muscheln und ein Steak vom Iberico – Schwein mit frischem Gemüse schmecken.




So verließen wir frisch gestärkt die Markthalle und schlenderten durch die Gassen Richtung Hafen. Danach flanierten wir dann noch über die Ramblas von Palma. Dort übte ich mich in einer ganz speziellen Herausforderung der Streetfotografie: eine fremde Person ansprechen und um ein Portrait bitten. Ich sah allso eine junge Frau vor einem Bekleidungsgeschäft stehen. Die Dame sah mit ihrem auffälligen Outfit für mich aus wie eine Schauspielerin aus einem alten Film-Klassiker. Also fragte ich sie, ohne darüber nachzudenken, ob ich sie porträtieren darf. Lustigerweise fragte sie mich, ob sie mir dafür etwas bezahlen muss! Nachdem ich das schmunzelnd verneinte, machte ich ein paar schnelle Aufnahmen von ihr. Und wie das so ist, wenn man kein Profi ist, und nicht schon im Vorfeld weiß wie genau man jemanden ablichten möchte, fiel das Ergebnis dann auch nicht sonderlich spektakulär aus. Was ich allerdings erst im Nachhinein erfuhr, war, dass Jens ein kleines Making-Of von dieser Szene fotografierte. Diese Fotostrecke möchte ich euch nicht vorenthalten!

Credits: Jens, unten rechts dann das portrait von mir

Nach dieser lustigen Begebenheit führte uns Jens zurück zu einem Platz, an dem wir schon am Donnerstagabend kurz vorbeigeschaut hatten. Hier machte er uns auf einen seiner Lieblings-Spots aufmerksam. Unter den Arkaden des Platzes befindet sich ein Werbeplakat, welches zu einer bestimmten Tageszeit durch den schrägen Einfall der tief stehenden Sonne auf besondere Art und Weise erleuchtet wird. Dort und an einem Säulen – Durchgang an einer Ecke des Platzes gelangen uns noch ein paar stimmungsvolle Aufnahmen.

Auf diese schöne Lichtsituation machte uns Jens aufmerksam. Ich sah aber in einem Ladengeschäft gegenüber eine Schaufensterpuppe. Hinter diese begab ich mich und band sie so in das Bild mit ein. Es scheint, als ob die junge Frau die vorüber laufenden jungen Männer beobachten würde.
Auch hier fotografierte ich in eine Glasscheibe hinein. Der Junge ist innerhalb dieses Raumes, die Arkaden und die Silhouette der Frau mit Hut, bei der sich um Andrea handelt, befinden sich zu diesem Zeitpunkt in meinem Rücken. Ein Foto, das meiner Meinung nach wirkt, wie ein impressionistisches Gemälde.

Zum Abschluss dieses Tages schlugen wir dann wieder mal im Cristal auf, in dem wir noch zu Abend aßen und eine Kleinigkeit tranken. Ich überreiche Jens noch ein kleines Gast – Geschenk und wir verabschieden uns von ihm. Danach ging es zurück ins Hotel und für mich war dieses Wochenende vorbei, da ich am nächsten Morgen schon sehr früh zurück flog. Das war ein kleiner Wermutstropfen für mich. Denn an diesem Sonntag lud Jens Andrea noch zu sich in sein Refugium ein, um für sie zu kochen. Liebend gern wäre ich da auch noch dabei gewesen aber: wer weiß? Vielleicht ist das ja ein Grund für mich irgendwann mal wieder diese wunderbare Stadt zu besuchen und eine weitere spannende Zeit mit Jens zu verbringen.

Auf dieses Graffiti machte mich Jens aufmerksam. Wir warteten also ein paar Minuten, ob sich eine Person in dieses Bild integrieren ließ. Ich hatte Glück! Als der ältere Mann vorbei lief, drehte er sich zu dem Graffiti um, und es scheint, als ob er den gestiefelten Mann fragen würde: hey, warum trittst du mich!
See ya, Bro! Vielleicht mein Lieblings-Bild von diesem Wochenende möchte ich euch zum Schluss zeigen. Ich erwischte die beiden jungen Männer genau in dem Zeitpunkt, als sie sich kumpelhaft voneinander verabschieden. Dazu kommt noch, dass sie sich in dem Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite, hinter dem ich mich befand, spiegeln. Interessant finde ich auch die Aufteilung des Bildes in zwei Schatten- und Lichtbereiche.

Das wars, unser zweites Live-Treffen. Es war mir ein Fest. Falls euch meine Impressionen und Eindrücke von unseren drei Tagen in den Gassen von Palma gefallen haben sollten, freut mich das. Ebenso freut mich ein Kommentar oder ein like.


Es grüßt euch wie immer freundlich


euer Holger


P.S. Jens hat über unser Treffen ein sehr cooles Kurz-Video erstellt. Das möchte ich euch gerne noch als Schmankerl hier verlinken.

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