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6 IN 6 - MY FIRST FOTO-MARATHON

Aktualisiert: 27. Feb.

Am letzten Samstag nahm ich zusammen mit sieben weiteren Fotografen an meinem ersten Foto-Marathon teil. Innerhalb von sechs Stunden mussten wir sechs Themen fotografisch umsetzen. Für jedes Thema hatten wir eine Stunde Zeit. Am Ende konnte dann jeder teilnehmende Fotograf für eines oder mehrere Bilder in den einzelnen Kategorien voten. Das Bild mit den meisten likes gewinnt die Kategorie. Der Fotograf mit den meisten likes beziehungsweise gewonnenen Kategorien war dann Gewinner des Tages.


 

Seit Anfang des neuen Jahres bin ich in einer privaten Facebook – Gruppe eines bekannten deutschen Street- Fotografen eingestiegen. Sein Name ist Jens F. Kruse und er lebt auf Mallorca. Auf seine Gruppe SPuM bin ich durch eine andere Streetfotografin gestoßen. Die Mitgliedschaft für ein Jahr kostet zwar (mehr als) ein paar Euro, aber sie bietet viele neue Möglichkeiten, mich in meiner Fotografie weiterzuentwickeln. Das kann ich nach knapp zwei Monaten auf jeden Fall schon sagen.


Wie letztes Jahr findet eben dieses Jahr auch ein so genannter Foto-Marathon statt. Innerhalb von 6 Stunden haben die teilnehmenden FotografInnen jeweils nur 1 Stunde Zeit, ein vorgegebenes Thema fotografisch umzusetzen. Man kann also nicht einfach durch die Gegend latschen und nach Lust und Laune drauflos knipsen, sondern muss sich ernsthaft zu einem teilweise sehr schwer greifbaren Thema Gedanken machen und dieses dann möglichst kreativ in einem Bild umsetzen. So fuhr ich letzten Samstag mit meinem Rad gegen 11:30 Uhr in die Stadt nach Ludwigsburg und wartete (an)gespannt auf das erste Thema.

Als es dann per Facebook – Messenger auf meinem iPhone eintrudelte, war ich erst mal geschockt. Es lautete:

EINIGKEIT!

Und ich dachte mir: ????????

Nachdem ich erst mal kurz durchgeschnauft hatte, zog ich los. In meinem Kopf fing es an zu rattern, während ich mich durch die Innenstadt treiben ließ. Mich zog es dann zu einer unserer beiden kleinen Malls. Dort angekommen fiel mir aber immer noch nichts Schlaues ein. Als ich dann vom zweiten Stock hinunter auf den sonnenerleuchteten Eingangsbereich sah, hatte ich meine Idee....


 


...Das Licht flutete von der von oben nach unten abfallenden Straße regelrecht in das Eingangsportal hinein und die Menschen erschienen als Silhouetten zusammen mit ihrem Schatten auf dem Boden unter mir. Ich hatte also meine Bühne gefunden und musste nur noch auf die passenden Protagonisten warten. Und so fotografierte ich 15-20 Minuten wie auf einer Empore und schaute hinunter in mein persönliches Theater. Bald schon war mir klar, dass ich ein Pärchen oder eine Familie und im besten Fall sogar mehrere davon als ein Beispiel für Einigkeit als Motiv wählen wollte. Und so kam eben dieses Foto zustande. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, mir gefällt es sehr gut. Im Vordergrund links sieht man eine Familie, das Kind in der Mitte. Die Silhouetten klar voneinander getrennt und die Schatten auf dem Boden sehr schön erkennbar. Aber auch im Hintergrund sieht man mehrere Schatten, von denen sich auch zwei an den Händen halten. So besteht das Bild aus mehreren Ebenen, die ihm eine gewisse Tiefe verleihen und die Türe bildet einen sogenannten Frame im Frame. Auf dem Boden im unteren Bereich sieht man dann noch spiegelverkehrt zwei Schriftzüge mit dem Wort Willkommen.


Gegen Ende der Stunde lief mir dann noch ein weiteres interessantes Motiv über den Weg...


 


Ich sah ein Pärchen händchenhaltend vor mir her laufen und hatte die Idee, ihre Schatten auf dem Boden zu fotografieren. Das gelang mir auch ganz gut und ich finde dieses Foto ebenfalls gelungen, es hat allerdings deutlich weniger Raffinesse und Tiefe als jenes, welches sich ausgesucht hatte.


 

Mit der ersten Challenge war ich ganz zufrieden und so wartete ich wieder aufgeregt auf die nächste Message zu Beginn der nächsten Stunde. Und insgeheim hoffte ich, dass ich zu diesem Thema etwas leichter Zugang finden möge. Aber das war natürlich nicht der Fall! Denn das Thema für die zweite Stunde lautete:

EINBLICKE INS UNBEKANNTE!

Und wieder blinken einige lustige Fragezeichen vor meinem inneren Auge auf. Dann kam mir aber zumindest relativ schnell eine Idee, wohin ich gehen könnte...



...in Ludwigsburg gibt es ein kleines, aber feines Stadtmuseum. Dort, dachte ich mir, fände ich vielleicht ein zu dem Thema passenden Motiv. Also schaute ich mich um. Am Ende meines Rundgangs kam ich an einem Bereich vorbei, in dem die Besucher des Museums einen Info-Film ansehen konnten. Ich sah dort diese Familie sitzen, die interessiert dem Film lauschte und die dort gezeigten Bilder betrachtete. Ich stellte mir vor, wie, vor allem die Kinder, diese Szenen verfolgen und dabei etwas Neues, eben Unbekanntes, zu Gesicht bekamen. Das war dann auch meine Idee zu dem gestellten Thema. Zwar ist dieses Foto nicht sonderlich kreativ, aber in der Kürze der Zeit war es für mich die beste Umsetzung.


Relativ am Anfang meines Rundgangs hatte ich zwar noch eine andere Idee, im Vergleich der beiden entschloss ich mich aber dann doch für obiges. Die erste Idee zu dem Thema möchte ich aber dann doch auch hier zeigen...


 


...Oben im ersten Stock befindet sich eine Galerie, von der man in das Atrium des Erdgeschosses hinunter schauen kann. Von dort aus sah ich den Arbeitsplatz einer Mitarbeiterin, die die Besucher für das Museum und die Sonderausstellung empfängt. Diese schaute interessiert auf den Bildschirm ihres Laptops. Schon da dachte ich mir, dass der Blick in den Computer-Bildschirm, und dort vor allen Dingen ins Internet, immer auch ein Blick ins Unbekannte sein kann. Als dann aber noch eine zweite Mitarbeiterin kam und von der ersten offensichtlich etwas erklärt bekam, hatte ich mein Bild. Eine Kollegin erklärt einer anderen Kollegin einen Sachverhalt, also etwas Unbekanntes für diese. Das war dann die Idee für dieses Bild. Vielleicht hätte es tatsächlich sogar besser gepasst!? Warum ich mich dann für das erste Bild entschieden hab, weiß ich gar nicht so ganz genau, ich bin da einfach einem Impuls gefolgt, denn im Nachhinein, jetzt, beim der zweiten Überlegung, finde ich dieses Bild vielleicht sogar doch passender.


 

Wie auch immer, mehr Zeit hatte ich nicht und das nächste Thema ließ nicht lange auf sich warten. Ein paar Minuten hatte ich zum Durchschnaufen und dann rauschte die nächste Nachricht ein. Das Thema lautete:

DAS LEBEN IST KEIN PONYHOF.

Keine Ahnung, ob sich mein Geisteszustand schon auf die Schwierigkeitsstufe der Bilder eingestellt hatte, aber mir war recht schnell klar, dass ich zurück zum Marstall – Center musste. Denn in dieser Shopping – Mall ist das Thema eben Pferde. Kleiner fun-fact am Rande: ein Marstall war früher in einer Burg oder in einem Schloss der Bereich, in dem die Pferde untergebracht waren. Ich lief also ein paar Meter zurück und schlenderte durch die Laden- Zeilen...


 


...Als ich dann vom ersten Stock aus in das Untergeschoss schaute, sah ich die beiden Kinder auf den Spielzeug – Pferden reiten. Im oberen Bereich sieht man noch eine Abbildung von mehreren laufenden Pferden.

Ich hatte also wieder meine Bühne gefunden. Einige Protagonisten, die Kinder und ihr Vater, waren schon vor Ort. Das allein reichte aber noch nicht für das gesetzte Thema aus und so wartete ich einige Zeit auf eine Person, für die das Leben eben kein Ponyhof ist. Als dann der Mann im Rollstuhl in die Szene fuhr, hatte ich mein Bild. Denn für ihn ist wahrscheinlich, im Gegensatz zu den spielenden Kindern, das Leben nicht unbedingt so einfach und unbeschwert. Ich dachte mir sofort, dass das ein gelungenes Bild ist. Zu meiner großen Freude bestätigte sich das dann auch in der Bewertung der Bilder durch die anderen Teilnehmer. Dieses Bild bekam von allen anderen die meisten likes und ich gewann diese Challenge.


 

Unser Boss Jens blieb sich aber seinem Niveau und seiner Anspruchshaltung treu. Das Thema, das er uns als Nächstes präsentierte, lautete:

ZEITREISE!

Hier war ich mir aber bezüglich meiner Ortswahl relativ schnell sehr sicher. Ludwigsburg ist weithin bekannt für sein Schloss und die es umgebenden Gärten. Es ist im übrigen das zweitgrößte Barockschloss der Welt nach Versailles. Ich lief also die paar Minuten hinab zum Schloss und hatte auch schon eine Location im Kopf, denn ich war schon des Öfteren auf meinen foto-walks dort und kannte mich also gut aus. Im Nachhinein war das der ergiebigste Spot an diesem Nachmittag, denn ich machte drei potentielle Fotos, die recht gut zu dem Thema Thema passten. Wie in vielen alten Gemäuern gibt es auch hier Säulengänge, die mit Fresken und Statuen sowie Säulen wunderbare Bühnen darstellen, die oft auch eine spannende Lichtsituation erzeugen...



...ich war also schon mittendrin in einer anderen Zeit und musste nur darauf warten, dass ein weiterer Besucher für mich diese Zeitreise antritt. Mehrere Personen hatten schon die Bühne betreten, als mir dieser kleine Junge ins Bild lief und direkt zu der Statue des Fürsten Eberhard Ludwig hinauf schaute. Und eben dieser schaute auch in die Richtung des Jungen und die beiden nahmen sozusagen Kontakt zueinander auf. Ich war mit meiner Bildkomposition soweit recht zufrieden. Die beiden Hauptfiguren, der Junge und die Statue, befinden sich jeweils auf einer Kreuzung der Drittel-Linien. In der Nachschau der Bilder meinte aber Jens, dass ich vielleicht das Bild noch etwas besser hätte croppen, also zuschneiden, können. Die grelle Lampe im oberen Bereich des Bildes lenkt dann doch vielleicht etwas zu arg von den beiden Haupt-Figuren ab. Für diese konstruktive Art der Kritik bin ich sehr dankbar, und ich bin davon überzeugt, dass sie mich über den Verlauf des Jahres hinweg in meiner fotografischen Entwicklung noch weiter bringen wird.


Für diese Challenge hatte ich noch ein weiteres Foto in der Auswahl. Auch dieses möchte ich hier zeigen...


 


...Natürlich finden im Schloss Ludwigsburg jeden Tag viele verschiedene Führungen statt. So gibt es auch besondere Führungen, beispielsweise von einer Kammerzofe, die dann die Geheimnisse des Schlosslebens aus Sicht der Bediensteten den gewogenen Besuchern und Zuhörern offenbart. Auf diesem Bild sieht man eben eine Besuchergruppe mit der Kammerzofe in zeitgemäßen Gewändern. So sehen wir also hier ebenso eine Zeitreise in das Barock mit barocker Begleitung. Auch dieses Bild wäre für das vorgegebene Thema sehr passend gewesen. Ich war allerdings mit der Bildkomposition nicht ganz zufrieden. Schöner wäre es, wenn eben alle Teilnehmer dieser Führung gebannt den Ausführungen der Zofe lauschen würden.


Diese Kammerzofe hatte ich zu Anfang meiner Besichtigung des Schlosses schon in dem dortigen Museums-Shop gesehen. Nach einigem verdruckten Hin – und Herlaufens nahm ich meinen Mut zusammen und fragte sie nach einem Portrait von ihr. Nachdem ich ihr erklärt habe, was ich hier tue, willigte sie auch gerne ein. Ich machte also auf die Schnelle, das war wohl der Fehler, zwei Fotos von ihr. Diese waren mir aber im Nachhinein viel zu langweilig, um sie in die engere Auswahl für dieses Thema mit aufzunehmen. Ich hätte mutiger sein sollen und ich hätte sie fragen sollen, ob sie mir für dieses Portrait zu einer etwas ansprechendern Location hätte folgen wollen.


 

Ich hatte dann noch ein bisschen Zeit und so fotografierte ich schließlich noch etwas aus Spaß im Schloss herum, während ich auf das fünfte Thema wartete. Punkt 16:00 Uhr vibrierte dann auch wieder mein iPhone und ich öffnete, mittlerweile mit einer gehörigen Portion Respekt, die Nachricht. Und diese lautete:

DAS GRAS AUF DER ANDEREN SEITE IST IMMER GRÜNER!

Nach einem kurzen Adrenalinschub hatte ich dann aber doch recht schnell eine Idee. Ich wollte nach einem geschlossenen Ladengeschäft suchen, dem gegenüber sich ein hell erleuchtetes oder gut besuchtes Geschäft befindet. Diese wollte ich dann mithilfe einer gut gesetzten Spiegelung miteinander in einem Foto vereinen. Ich lief also zurück in die Innenstadt in die Fußgängerzone und machte mich auf die Suche. Diese stellte sich aber als recht schwierig heraus. Nach 20 Minuten mehr oder weniger ziellosen Umherlaufen, hatte ich aber eine andere Idee...


 


... ich erinnerte mich dran, dass sich in einem hinteren Teil der Fußgängerzone ein Cannabis – Laden befand. Nun ja, wie ja allgemein bekannt ist, wird diese Droge auch umgangssprachlich als Gras bezeichnet. Und so setzte ich mich in einem Hauseingang dem Geschäft gegenüber auf die Lauer und wartete auf vorübergehende Passanten. Es ergaben sich viele Möglichkeiten, da um diese Uhrzeit noch Publikumsverkehr herrschte. 2-3 gute Aufnahmen gelangen mir, ich entschied mich aber für diese.

Die drei Männer liefen an dem Ladengeschäft vorbei und schauten alle drei in die Richtung. Schon im Vorfeld überlegte ich mir, wie ich das Thema Gras (Cannabis) fotografisch umsetzen konnte. Und, nun ja, da Drogen naturgemäß immer auch zu einer gewissen Wahrnehmungsstörung führen, stellte ich die Belichtungszeit höher ein, um die vorbei laufenden Personen etwas verschwommen zu zeigen. Leider sieht man die Cannabispflanzen auf dem Glas – Vordach des Ladens nicht unbedingt beim ersten Hinschauen. Und so bekam dieses Bild leider auch keinen einzigen Like.

Ich finde, das hat dieses Bild vielleicht dann doch nicht verdient. Aber auch damit muss man leben. Ich war im übrigen nicht der einzige, der auf diese Idee gekommen ist. Einer meiner Fotografen – Kollegen hatte etwas mehr Glück als ich mit dem Ladengeschäft. Seines war deutlich grüner, und seine Bildgestaltung war zugegebenermaßen deutlich klarer als meine. Und so bekam er mit seinem Bild in dieser Challenge verdientermaßen die meisten likes.


 

Langsam neigte sich der Nachmittag dem Ende entgegen und es fehlte noch das letzte Thema.

Und auch, wenn es sich als am leichtesten umsetzbar anhörte, erwies dieses sich als jenes, welches ich am schlechtesten umsetzte. Es lautete:

TAXI!

Die Location war schnell klar. Ich lief zum Bahnhof und zum dortigen Taxistand, weil ich mir dort die besten Chancen auf ein spannendes Motiv ausrechnete. Nun war aber zu diesem Zeitpunkt dort nicht allzu viel los und meine Motivation war zugegebenermaßen nicht mehr die frischste.

Und so gab ich mich nach einigen Minuten mit der erstbesten einigermaßen annehmbaren Szene zufrieden.


 



Auf dem Weg zu meinem Fahrrad zurück hatte ich noch die Idee, ein Taxi durch einen Mitzieher dynamisch einzufangen. Aber erstens kamen kaum welche und zweitens hatte ich dadurch zu wenige Versuche einen scharfen Treffer zu landen.


 

Dieser Nachmittag war für mich fotografisches Neuland. Bisher bin ich immer ohne konkrete Zielsetzung auf meinen foto – walks losgezogen. Mich in jeweils nur einer Stunde auf ein neues, anspruchsvolles Thema einlassen zu müssen und es dann unter Zeitdruck kreativ umzusetzen, war für mich eine Herausforderung. Aber eben nicht nur das, sondern auch eine Inspiration: in Zukunft werde ich mir öfters eine spezifische Aufgabe heraussuchen um anhand derer meinen fotografischen Blick weiter zu schulen. Ich bin wirklich dankbar für diese Erfahrung und kann sie jedem, der sich ernsthaft mit Street-Fotografie beschäftigt, empfehlen. Und falls der eine oder die andere von euch neugierig geworden ist auf die Gruppe von Jens, der kann sich gern mal auf seiner Website umschauen um sich einen Eindruck von SPuM zu verschaffen.


Das war's mal wieder von mir. Ich hoffe, euch hat meine Reportage gefallen.

Falls ja, würde ich mich über eine positive Reaktion oder einen Kommentar von euch sehr freuen.


Es grüßt euch wie immer freundlich


eure Holger


P.S.

Einen weiteren Blog-Post zu diesem Fotomarathon hat nun auch Sabine Lommatzsch auf ihrer website veröffentlicht. Diesen möchte ich für euch hier gerne verlinken.




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