Eineinhalb Liebeserklärungen!

Aktualisiert: 12. Feb.

Leica! Der Traum aller (?) Fotografen! Der heilige Gral der Kameras. Der Mythos, immer verbunden mit noch einem weiteren Mythos, HCB!


Vor etwa einem Jahr war es dann soweit: Ich verkaufte mein komplettes Nikon-Setup (D7200 und fünf Objektive) und erwarb in einem Anflug von anmaßendem Größenwahn und ummantelt von geistiger Verwirrung eine (immerhin nur) gebrauchte Leica Q. Als jetzt selbsternannter Streetfotograf musste ich natürlich auch ein angemessenes Werkzeug mein Eigen nennen, als dass es mir allzeit kreative Inspiration auf meinen Streifzügen durch die urbanen Jagdgründe einhauchen möge.

 


Wer jetzt denkt, die Q sei meine Angebetete, der täuscht jedoch. Nach nicht einem halben Jahr trennte ich mich wieder (zum Glück ohne großen Verlust) von dem Mythos.

Warum?

Hauptsächlich aus einem profanen Grund: der Brennweite. Die 28mm im Vollformat waren mir einfach zu weitwinklig. Als Familienvater fotografiere ich natürlich auch sehr gerne meine Kinder und meine Frau. Und für diese Zwecke war die Q meiner Meinung nach nicht so gut geeignet. (Ihr wisst schon: große Nase und Ohren). Ansonsten ist sie definitiv eine Traumfrau äh ...kamera. Sehr puristisch! Sehr gut verarbeitet! Und mit einer überragenden Abbildungsleistung sowie traumhaften low-light-Fähigkeiten und einem coolen Macro-Modus. Obwohl sie unanständig teuer erscheint, ist sie jedoch in Wirklichkeit ein Schnapper. Für gebraucht 2400€ bekommt man eben nicht nur den Vollformat-body der Q, sondern auch ein Summilux f1.7! Und googelt diese Objektive mal, die kosten alleine schon um die 6000€, allerdings mit f1,4. Insofern ist die Q wohl die "vernünftigste" Leica, die man kaufen kann. Zu mir hat sie aber (leider?) nicht gepasst.


 

Und so musste eine andere her. Eine, auf die ich auch schon lange schielte, mit vielleicht weniger Glamour, dafür aber mit (wieder meiner Meinung nach) deutlich größerer Usabilitiy, Alltagstauglichkeit UND dennoch einem dramatischen "Haben-Will-Faktor". Und so MUSSTE ich mich konsequenterweise für die "Leica des armen Mannes" entscheiden: die Fuji x100v!



Den "Abstieg" von Leica auf Fuji hab ich nicht bereut! Warum?

Da wären zum Einen ihre schlichte, schlanke Schönheit und auch ihre Ähnlichkeit zu klassischen Messucher-Kameras. Nicht wenige Fotografen halten sie deswegen schlichtweg für eine der schönsten, wenn nicht sogar die schönste Kamera zur Zeit. Aber, weitaus wichtiger, ist auch die x100v ein vorzügliches Werkzeug. Und im Vergleich zur Q hat sie, wie ich finde, einige Vorteile, die gerade Streetfotografen sehr zu schätzen wissen. Als da wären:

  • die kompakteren Maße

  • der Klapp-Monitor

  • der außergewöhnliche Hybrid-Sucher

  • der eingebaute ND-Filter

  • die 35mm-Brennweite

  • die tollen Filmsimulationen

  • die Möglichkeiten der Kustomization

  • der Wetterschutz

  • und, wer will, zwei Telekonverter


Die Bildqualität der x ist nach meinem Dafürhalten übrigens nicht soooo arg viel schlechter als die der Q. Auf jeden Fall ist der fast dreifache (Neu)-Preis der Q nach allen Abwägungen trotz des Leica-Faktors (m. M.) objektiv nicht gerechtfertigt. Für mich ist deswegen die x die bessere leica! Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie in die Hand nehme und ich muss nicht mehr überlegen, ob ich sie jetzt mitschleppe oder nicht. Sie passt ohne Probleme in die (Jacken)-Tasche und wiegt fast nix (470g).


 

Eine kleine Geschichte zum Schluss noch:

Vor ein paar Wochen war ich mit meiner Familie in Stuttgart unterwegs. Ich sah einen alten Mann fotografieren und wir kamen ins Gespräch. Zuerst fragte er mich, ob meine Kamera eine Leica wäre. Als ich erwiderte, es wäre eine Fuji, zeigte er mir seine Fuji xpro3. Interessant an der Geschichte ist, dass der Mann von Beruf Fotograf war und das Fotografieren nach dem Weltkrieg mit Leica-Kameras gelernt hatte und viele von ihnen benutzt hat. Wenn also ein Profi selbst auf Fuji umsteigt und die Kameras so lobt, dann muss wohl etwas Wahres dran sein, denke ich.


Und ein letzter funfact:

Lustigerweise hab ich eine x100s vor ein paar Jahren schon mal ein paar Wochen in der Hand gehabt - und wieder abgegeben. Offensichtlich konnte ich damals ihre Reize noch nicht wertschätzen.


Nun, heute bin ich reifer.


Über eure Kommentare freue ich mich!


Seid gegrüßt


Euer Holger


 

P.S. Wer mehr über die x100v erfahren möchte, dem empfehle ich den blog von jayshooter. Seinen channel kann ich absolut empfehlen. Ebenso zum Thema streetfotografie findet ihr dort gute und kurzweilige Videos. Ein Buch über Streetfotografie hat Jochen Müller, so heißt er wirklich, vor kurzem übrigens auch geschrieben.

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