Belichtungs-Stopp - Wenn im Sucher Stillstand herrscht
- Holger Köchel
- vor 3 Stunden
- 10 Min. Lesezeit

Seit nunmehr fünf Jahren lebe ich mit ihr. Sie hat mein Leben bereichert, es bunter gemacht, mir unvergessliche (Augen)-Blicke beschert und dabei mein Sehen geschärft. Immer tiefer bin ich ihr in ihren Kaninchenbau gefolgt. Hab große und kleine, schöne und seltsame, lustige und traurige, helle und dunkle Ecken erkundet und dabei eine neue faszinierende Welt entdeckt. Sie hat mich also bisher reich beschenkt - die Streetfotografie.

Aber jetzt - seit einiger Zeit - scheint sie mir - wie ein flüchtiger Geist in weißem Kleid - zu entrinnen und mir ihre kalte Schulter zu zeigen. Und ich weiß: So wie mir geht es vielen. Nicht nur in der Fotografie, in jeglicher Kunst. Oft steigt die Lernkurve recht steil und erfolgversprechend an. Doch dann, hat man eine gewisse Fallhöhe erreicht, gelangt man auf ein mehr oder weniger großes Plateau. Und von diesem aus führt anscheinend keine weitere Treppe aufwärts. Das kann frustrierend sein.
Mein Plateau sieht folgendermaßen aus:
Noch eine Lichttasche, noch eine Spiegelung, noch eine ungewöhnliche Lichtsituation, noch ein spannendes Gebäude. Und dann: warten, bis noch ein menschliches Element, das dann gerne im Gewand eines Schattens oder einer Silhouette die Bühne betritt und die Szene veredelt. Viele Streetfotografen sehen eine Zeitlang immer dasselbe. Bei mir sind das eben oft die oben genannten, bei euch sind es wahrscheinlich andere. Das nennt man dann Trigger. Jeder hat sie. Und der Blick wird immer mehr von ihnen domestiziert. Ja, mir macht das Spaß. Ja, ich finde solche Settings einfach ästhetisch ansprechend. Und ja, das sind gute Bilder. Und nein, ich fotografiere nicht ausschließlich diese Situationen. Aber ich stelle fest, dass sie mich nicht mehr befriedigen, nicht mehr so wie zu anfangs. Warum? Sie sehen gut aus, ihnen fehlt aber etwas!
Nur was?
Wenn man einmal in den Kaninchenbau eingedrungen ist und dabei, was weiß ich, vielleicht schon über 40 Bücher über (Street)-Fotografie gelesen, unzählige tutorials auf youtube angeschaut und an x Foto-Walks und dem einen oder anderen workshop teilgenommen hat, dann weiß man eben: Da ist mehr!

Ja, und?
Vielleicht Esprit? Seele? Authentizität? Das gewisse Etwas? Oder auch timing, layering, menschliche Interaktion, Emotionen, das Füllen des Rahmens.
Dabei muss man den Blick weiter entwickeln um im Chaos der Straße den Moment zu antizipieren , ihn zu erkennen um dann, wenn etwas Außergewöhnliches, Bemerkenswertes, Lustiges, Dramatisches passiert, bereit zu sein. Das ist ein bisschen wie Zauberei, zu der aber mehr gehört, als nur mit einem rohen Ei zu jonglieren. Aber auch Zaubern kann man lernen!

Bei diesem Bild hat einiges gepasst. Das Timing: ich habe genau den Moment erwischt, indem das Mädchen seinen Helm fallen lässt, was etwas lustig ist, aber dramatisch aussieht. Gleich mehrere Farbmatches in gelb. Mehrere Ebenen (Layers), die dem Bild Tiefe geben.
OK? und jetzt?
Ich hab das Handwerk gelernt. Ich weiß, welche Einstellungen ich an meiner Kamera für welche Situation brauche. Ich sehe das Licht, beherrsch die Drittel-Regel im Schlaf und die Spiegelungen in Pfützen sind so symmetrisch, dass es wehtut. Aber genau da liegt das Problem: Ich jage Formen, keine Momente. Jeder hat seine eigenen Jagdobjekte. Und die gilt es irgendwann zu ignorieren.
Es braucht also eine Exit-Strategie!
Glücklicherweise gibt es die. Ich möchte euch nun 10 davon vorstellen, auf dass die richtige für denjenigen, der sie braucht, dabei ist.
Der Entzug: So werde ich vom Grafiker (wie bei mir) zum Geschichtenerzähler
Wenn du aus dem Stillstand raus willst, musst du deine Komfortzone nicht nur verlassen – du musst sie sprengen.
Das Silhouetten-Verbot:
Geh raus und fotografiere nur mit der Sonne im Rücken. Plötzlich siehst du Gesichter, Falten, Mimik und Emotionen. Du kannst dich nicht mehr hinter der Anonymität des Schattens verstecken. Es wird unsauber, es wird chaotisch – und es wird endlich wieder spannend.
Die „So-What?“-Probe:
Schau dir dein Bild an. Wenn du das Licht und den Schatten wegdenkst – bleibt dann noch eine Geschichte übrig? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, war es kein Foto, sondern nur eine Belichtungsübung. Such nach Interaktion, nach absurden Kontrasten, nach dem „menschlichen Fehler“ im System.
Mut zur Hässlichkeit:
Viele sind von Insta so darauf getrimmt, „ikonische“ Bilder zu machen, dass wir das echte Leben übersehen. Das echte Leben findet nicht nur in der „Golden Hour“ statt. Es findet im grellen Neonlicht von Spätis statt, im grauen Nieselregen an der Bushaltestelle oder im Chaos eines Wochenmarktes.

Dieses Bild habe ich erst vor kurzem aufgenommen und zu dem Zeitpunkt war das Licht nicht besonders gut. Mir fiel die junge Frau mit den leuchtend grünen Haaren auf. Ich folgte ihr also ein paar Meter auf dem Flohmarkt und als sie sich bückte, um etwas Interessantes zu finden, sah ich, dass sie einen BH als Accessoire um die Jeans trug. Dieses Bild ist nicht besonders ästhetisch. Aber eine schöne Geschichte ist es eben doch. Was sucht die junge Frau wohl? Warum hat sie wohl diesen BH als Gürtel?
Die "Einschränkungs-Kur"
Kreativität entsteht oft durch Mangel. Wenn du alles fotografieren kannst, fotografierst du oft das Beliebige. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten sich bewusst einzuschränken und dadurch zu einer tieferen Kreativität zu gelangen.
Festbrennweiten-Extrem: Wenn du 35mm gewohnt bist, wechsle auf 85mm (Nahaufnahme, Kompression) oder 21mm (unangenehm nah ran). Ich fotografiere meist mit 35mm, da diese Brennweite fest an meiner x100 verbaut ist. In nächster Zeit möchte ich aber mehr mit meiner alten Leica Q mit ihren knapp 28mm unterwegs sein, obwohl mich das schon mehr Überwindung kostet mit ihr den frame zu füllen.
Thematischer Fokus: Geh raus und fotografiere einen Tag lang nur Gelb, nur Hände oder nur Menschen, die telefonieren oder such dir andere Details, die dich interessieren. Bei mir sind das zur Zeit Menschen, die ein Buch lesen, Menschen mit Panama-Hut oder rote Wände. Diese Fokussierung zwingt dein Gehirn, das Grundrauschen der Stadt auszublenden.
Flash Street Photography: Nutze einen externen Blitz am helllichten Tag (Stil: Bruce Gilden). Das verändert die Ästhetik komplett und erfordert Mut.
Slow Shutter: Arbeite mit Belichtungszeiten von 1/8 oder 1/15 Sekunde. Verabschiede dich von der Schärfe und suche nach Energie und Abstraktion.
Der "Documentary" Approach
Hör auf, nach dem einen "Hero-Shot" zu suchen. Versuche stattdessen, eine Geschichte über einen bestimmten Ort oder eine Gruppe zu erzählen. Streetfotografie wird oft erst dann tiefgründig, wenn sie seriell wird (z.B. "Die Kioske meines Viertels"). Eine vielversprechende Möglichkeit dafür sind z. B. Events mit vielen Menschen. Hier erwartet dich oft eine Vielzahl an möglichen Motiven. Die Bilder hier unten entstanden beispielsweise an einem Tag der offenen Tür unserer städtischen Kunstschule.
Layering: Gibt es eine zweite oder mehrere Ebenen?
Viele Bilder sehen ästhetisch aus und bringen schnelle Klicks, aber sie sind oft rein dekorativ und nach dem hundertsten Mal austauschbar. Du hast das Handwerk der Geometrie gemeistert – jetzt fehlt die Substanz. Um aus dieser grafischen Perfektion auszubrechen, musst du das Chaos zulassen. Deine aktuellen Bilder sind wahrscheinlich sehr „clean“. Versuche das Gegenteil: Schichten.
Suche Szenen, in denen im Vordergrund, Mitte und Hintergrund etwas passiert. Das Ziel ist nicht Ordnung, sondern ein organisiertes Chaos. Das ist handwerklich viel anspruchsvoller als eine Spiegelung. Sehr starke Streetfotos enthalten oft mehr als eine Geschichte. Zum Beispiel: ein Mensch bewegt sich im Vordergrund, einer oder weitere dahinter im Mittelbereich und eine dritte Szene findet sich im Hintergrund. Meisterlich wird solch eine Aufnahme, wenn zwischen den Ebenen noch ein Zusammenhang oder ein Gegensatz erkennbar ist.

Vor unserem letztjährigen Urlaub in Tunesien schon nahm ich mir vor anders zu fotografieren. Ich wollte den Einsatz von Farbe und Ebenen üben. Hier ist mir das ganz gut gelungen. Wir haben die junge Frau im Vordergrund, die mir um die Ecke ins Bild lief. Von ihr wandert der Blick zu dem alten Mann auf dem Stuhl in der rechten Ecke des Bildes um von ihm auch durch seinen Blick weiter in die Straße hineingeführt zu werden.
Schalte auf Farbe als Erzähler (nicht als Deko)
Wenn du Licht/Schatten machst, ist Farbe oft nur Beifang. Schau dir Alex Webb an. Er nutzt Farbe, um Spannung zu erzeugen, nicht nur um eine Fläche zu füllen. Versuche, ein Bild zu komponieren, das nur funktioniert, weil zwei bestimmte Farben miteinander korrespondieren.

Auch dieses Bild gelang mir während unseres Tunesien – Urlaubs letztes Jahr und ist ein schönes Beispiel für Layering. Ich lief mit meinen beiden Jungs auf der Suche nach einem Taxi die Straße entlang und mir fiel diese Szene auf. Ich sah dieses alte, etwas verfallene Haus mit der Treppe und den charakteristischen blauen Elementen. Oben stand die Frau alleine, und ich dachte mir, wie schön es doch wäre, wenn jetzt noch weitere Elemente auf dieser Bühne auftauchen würden. Einen Moment später kam das Mädchen mit diesem Werbeplakat die Treppe herunter gelaufen. Ich schoss aber nicht gleich das Foto, sondern wartete darauf, ob unten auf dem Gehweg noch weitere Personen ins Bild liefen. Somit war der Rahmen angefüllt. Das Mädchen ist das zentrale Motiv, umgeben unten und oben weiteren Personen, die einigermaßen harmonisch in meinem Frame verteilt waren. Auf dieses Bild bin ich dann auch ein bisschen stolz, da es mich an Aufnahmen von eben jenem Alex Web erinnert. Vielleicht kennt ihr ja sein berühmtes Foto mit den Jungs, das auch in blau-weiß gehalten ist, in dem der Junge vorne den blauen Ball jongliert.
Geh näher ran (Robert Capa Style)
Hör auf, gegen das Licht zu fotografieren (Silhouetten). Fotografiere mit dem Licht im Rücken. Das zwingt dich dazu, dich mit Mimik, Augen und Charakteren auseinanderzusetzen. Du kannst dich nicht mehr hinter einer schwarzen Form verstecken; du musst eine menschliche Regung einfangen.Licht-Schatten-Bilder entstehen oft aus der Distanz. Geh so nah an Menschen heran, dass es sich unangenehm anfühlt. Streetfotografie ist oft dann am stärksten, wenn man die Energie der Person spürt, anstatt sie nur als grafisches Element in einer Architektur-Kulisse zu benutzen.
Kurzfristige Challenge für dich: Geh morgen raus und verbiete dir Silhouetten und Spiegelungen (oder einen deiner Trigger) komplett. Wenn du merkst, dass du ein solches Motiv siehst: Lauf weg. Was passiert, wenn du gezwungen bist, eine Geschichte zu erzählen, bei der man die Augen der Person sehen muss?

Dieses Foto entstand schon vor zwei Jahren, als ich mit meiner Familie in Tiblisi in Georgien, der Heimat meiner Frau, war. Ich stand am Bahnsteig einer Metro-Station. Es war sehr voll. Ich stellte mich mitten in die Menge und gab vor die Decke der alten Station zu fotografieren. Viele Menschen liefen dicht gedrängt an mir vorbei und beachteten mich nicht. Besonders gut an diesem Bild gefällt mir der Gesichtsausdruck der Frau. Auch der Kontrast der unterschiedlichen Charaktere finde ich spannend.
Werde zum Querdenker
Das Zusammenbringen von Dingen oder Menschen auf der Straße, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, ist eine hohe Kunst. Diese inhaltliche Juxtaposition (Gegenüberstellung), das bewusste Suchen nach Gegensätzen, wie z.B. alt und jung, reich und arm, Natur und Stadt, wird von Meistern des Faches benutzt, um durch Komposition eine inhaltliche Reibung zu erzeugen. So kann man z. B. manchmal den Zufall inszenieren. Der Fotograf agiert dann eher als Regisseur, der eine Szene vorwegnimmt (z. B. durch Auswahl eines interessanten Hintergrunds) und auf das passende Element wartet, das in diese Szene eintritt. Ein Beispiel dafür seht ihr hier:

Bücher: Studium der Klassiker und Lesestoff mit Substanz
Instagram-Streetfotografie ist oft sehr formelhaft (Lichtkante, Schatten, Kontrast). Schau dir Bildbände an, die weniger auf "Gags" und mehr auf Atmosphäre setzen, z. B.:
Saul Leiter für Farbe und Abstraktion.
Joel Meyerowitz für komplexe Straßenszenen.
Alex Webb für Schichtung und Tiefe im Bild.
Steve McCurry für Storytelling und Reportage
Martin Parr für hintergründigen Humor
Weg von Instagram-Lehrbüchern, hin zu Werken, die den Blick für Narration und Komplexität schärfen. Hier eine Auswahl:
„Think Like a Street Photographer“ von Matt Stuart: Ein sehr praxisnahes Buch, das Humor und den „Zufall“ in den Vordergrund stellt – weg vom starren Schatten-Design.
„The Street Photographer’s Manual“ von David Gibson: Bietet konkrete Projekte und Übungen, um den Blick für verschiedene Ansätze zu öffnen.
„Bystander: A History of Street Photography“ (Meyerowitz/Westerbeck): Die „Bibel“ des Genres. Sie zeigt dir die Entwicklung von den Anfängen bis heute und hilft dir zu verstehen, wo du dich historisch einordnest.
Streetfotografie - die 100 besten Bilder (David Gibson) mit Bildern der letzten 10 - 15 Jahre von eher unbekannteren Fotografen und sehr guten Bildbeschreibungen.
Best of Eyeshot Archive: eine kuratierte Zusammenstellung der besten Bilder aus den Magazinen
"The meaning in the making" von Sean Tucker: Ein philosophisches Buch über Fotografie
Workshops und Online-Communities (Jenseits von Likes): Feedback statt Bestätigung
Suche keine „Photowalks“, bei denen man nur gemeinsam durch die Stadt läuft, sondern Workshops mit harter Bildkritik:
Gezielte Coaching-Angebote: Anbieter wie Street Photography Berlin oder Pixelcatcher (Stuttgart) bieten intensive Kurse an, die über die bloße Technik hinausgehen.
Portfolio-Reviews: Buche eine Stunde bei einem Profi (z. B. via Zoom), um dein Archiv sichten zu lassen. Ein Blick von außen erkennt oft Muster, die du selbst als „Stillstand“ wahrnimmst, die aber eigentlich ein werdender Stil sind.
SPuM: Oder aber, so habe ich gemacht, werde Teil einer kleinen aktiven Community, geleitet von einem erfahrenen Streetfotografen. Das ist meiner Meinung nach ein sehr nachhaltiger Weg die fotografischen Fähigkeiten zu verbessern und kontinuierlich an dem Wissen einer sehr aktiven Gruppe unter einer hochwertigen Leitung, Jens F. Kruse, teilzuhaben und zu profitieren.
Instagram belohnt das Offensichtliche. Für echtes Wachstum brauchst du Communities, die konstruktive Kritik fördern:
1x.com: Eine kuratierte Plattform mit extrem hohen Standards. Hier wird jedes Bild von Experten geprüft, bevor es veröffentlicht wird.
Flickr Critique Groups: Es gibt dort Gruppen, in denen man nur posten darf, wenn man auch anderen detailliertes Feedback gibt.
Vsco Spaces: Eine ruhigere, oft künstlerischere Community, die weniger auf Algorithmen und mehr auf visuelle Inspiration setzt.
Facebook-Gruppen, die wöchentliche Challenges ambieten, wie Street Photography Challenge
Und zum Schluss: wo stehe ich? - Die 5 Stufen der Streetfotografie
Wenn ihr wissen wollt, wie es um die Qualität eurer Streetfotografie steht, kann es vielleicht helfen euch auf einer dieser Stufen einzuordnen. Möglicherweise gibt euch das eine Vorstellung auf welcher Ebene eure Entwicklungspotenziale liegen.
Die Entwicklung in der Kunst der Streetfotografie lässt sich grob in fünf aufeinanderfolgende Stufen beschreiben:
In der ersten Stufe, der Entdeckungsphase, geht es vor allem darum, überhaupt Motive zu sehen und interessante Situationen auf der Straße zu finden. Fotografen reagieren stark auf auffällige Menschen, ungewöhnliche Szenen oder spontane Ereignisse. Vorbilder wie Henri Cartier-Bresson prägen oft diesen Einstieg.
In der zweiten Stufe, der Timing-Phase, erkennt man, dass nicht nur das Motiv zählt, sondern der richtige Moment. Man beginnt Gesten, Blickrichtungen oder Bewegungen abzuwarten – der berühmte Decisive Moment wird zentral.
In der dritten Stufe, der Kompositionsphase, rückt der Bildaufbau stärker in den Fokus: Linien, Licht, Vorder- und Hintergrund sowie mehrere Ebenen werden bewusst gestaltet; Fotografen wie Alex Webb oder Garry Winogrand sind bekannte Beispiele für diese komplexe Bildsprache.
In der vierten Stufe, der persönlichen Phase, entwickelt sich eine erkennbare Handschrift: bestimmte Themen, Motive oder Stimmungen tauchen immer wieder auf und spiegeln den eigenen Blick auf die Welt wider – ähnlich wie bei Martin Parr, dessen Bilder sofort wiedererkennbar sind.
Die fünfte Stufe, die künstlerische Phase, geht noch einen Schritt weiter: Die Fotos werden poetischer, mehrdeutig oder atmosphärisch und interpretieren die Realität, statt sie nur zu zeigen; Arbeiten von Saul Leiter oder Trent Parke stehen beispielhaft für diese sehr persönliche, oft fast abstrakte Form der Streetfotografie.
Die meisten Streetfotografen bleiben zwischen Stufe 2 und 3 hängen: Sie haben ihren Blick geschult, besitzen gutes Timing, ihr Fotos sind gut komponiert, viele haben aber keine klare persönliche Bildsprache. Der nächste Schritt passiert meist, wenn man beginnt zu fragen:
„Warum interessiert mich diese Szene eigentlich?“
Fazit:
Der Stillstand ist kein Ende, sondern eine Einladung. Er ist das Zeichen, dass du bereit bist für das nächste Level: Weg von deinen eingefahrenen Blicken, der Grafik, wie bei mir, hin zur Seele, zur Substanz, zur Essenz der Fotografie.
Ich hoffe, diese Tipps sind hilfreich. Sie sollen als Ideengeber verstanden werden. Jeder kann sich das entnehmen, was für ihn/sie passend erscheint.
keep on shooting
Euer Holger


































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